Rifai Moschee

Das Besondere an der Rifai-Moschee sind zweifelsohne die Grabmäler einiger berühmter Ägypter, wie beispielsweise die letzte Ruhestätte des ehemaligen ägyptischen Königs Farouk. Die Rifai-Moschee wurde im frühen 20. Jahrhundert errichtet und zählt somit zu einer der eher neueren Moscheen Kairos. Dennoch ist das Bethaus nicht weniger prächtig ausgestattet und äußerst sehenswert. Eingang zur Rifai MoscheeAm Eingang der Rifai-Moschee, gleich gegenüber der Sultan Hassan Moschee, erheben sich beispielsweise einige Säulen römischen Ursprungs, die viel älter sind als das Bethaus selbst. Und die Kombination der verschiedenen Baustile und Architekturen gibt dem Kenner, der ich natürlich nicht bin, einen ziemlich guten Überblick der gesellschaftlichen Entwicklung, der Machtverhältnisse und der jeweils dominierenden Stil Epoche um Wende zum 20. Jahrhundert. Man spricht sogar von einem Dialog der Architekturen. Der Rotary Club Giza hat dazu die nötigen Details und Abläufe zusammengestellt.

Ursprünglich 1286 v. Ch. befand sich auf dem Platz der heutigen Mosche eine Zawiya. Das ist eine islamische Einsiedelei im Gebiet der islamischen Maghreb Union, ein Gebäude mit religiösem Charakter, also eine kleinen Moschee, die den Reisenden auch Unterkunft bot. Dort waren die Grabmäler vieler damaliger hervorragender Persönlichkeiten. Da sich unter ihnen auch Sheikh Ali al Rifai, ein schon zu Lebzeiten als Heiliger verehrter Vorsitzender des Derwischordens befand, nannte man die Zawiya ab 1869 AL RIFAI. In diesem Jahr ordnete die Mutter des Khediven Ismail den Bau einer großen Moschee an gleicher Stelle an. Doch der Bau verzögerte sich aus technischen und finanziellen Gründen bis 1912. Dann blieb es der Prinzessin Khoshiar Hanem vorbehalten den Bau zu beenden. Es war ein Gebäude der Superlative entstanden. Mit allein schon unglaublichen 640.000 EL Baukosten war in 40 Jahren Bauzeit die teuerste Moschee des 19.Jahrhunderts entstanden. Fünf Architekten gab es, von denen einer schon während der ersten Konstruktionsphase starb, 19 verschiedene Sorten Marmor aus Ägypten oder Kairo, aber auch aus Belgien, Deutschland, Griechenland und Italien wurde verwendet. Nicht gerade billige Lampen aus Böhmen imitieren durch Stil und arabische Inschriften mameluckische Modelle des 14. / 15. Jahrhunderts.

Neben Sufi Reliquien und dem Grab Al-Rifais, das direkt gegenüber dem heute primär genutzten Südeingang neben der Sultan Hassan Moschee gelegen ist, beherbergt die Moschee auch die Grabstätte Shaykh Abd Allah al-Ansaris, einem Gefährten des Propheten.

33 Meter hoch ist der Prachtbau der 98 Meter langen und 72 Meter breiten Moschee.
Heute ist das Bauwerk vor allem als Mausoleum für bekannte Persönlichkeiten von Bedeutung. In einem Raum steht der Sarkophag des schon erwähnten Khediven Ismail, auf dem noch heute sein Tarbouche, sein grauer Filzhut, das Herrschaftsinsignum des Khediven, liegt.

Natürlich sind im Inneren auch die Mitglieder der Königsfamilie beigesetzt. In einem besonderen Raum ruht der letzte ägyptischen König Faruk, dem trotz seines Sturzes 1952 durch Offiziere um Nasser nach seinem Tod 1965 die letzte Ruhe in der Rifai Mosche nicht verwehrt wurde. Für Aufsehen und diplomatische Verstimmungen sorgte jedoch der dritte hier beigesetzte Monarch. Der letzte Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, liegt unter einer schmucklosen Marmortafel begraben. Anwar al-Sadat gewährte dem letzten Mann auf dem Pfauenthron nach dessen Sturz Exil in Kairo. Nach dem Tode Pahlavis 1980 erklärte Sadat diesen Tag zum nationalen Trauertag und gewährte dem verstorbenen Schah ein Staatsbegräbnis. Auch heute noch steht auf dem Grab die Fahne des kaiserlichen Iran. Die islamische Republik Iran „revanchierte“ sich, indem sie wenige Jahre später eine Straße in Teheran nach Khaled al-Islambouli benannte, dem Mörder von Anwar al-Sadat.

Gebetsnische in der Raifai MoscheeWen man die Moschee nach dem Besuch der berühmten „Nachbarin“ betritt sind frappierend Ähnlichkeiten in Stil, verwendeten Materialien, deren Details und Ausführung erkennbar. Trotzdem muß ich hier noch ein Mal erwähnen, das die Sultan Hassan Mosche im schon 14. Jahrhundert erbaut wurde. Die Rifai Moschee, als erste Vertreterin des Neo – Mameluckischen Stils stammt aus dem 20. Jahrhundert! Es waren die europäischen Berater oder Planer, die die Momente der Mamelucken Architektur als eine Art kulturelles Erbe übernahmen. Allerdings wurde bewusst durch die klare Symmetrie der Moschee auf die komplizierte mameluckische räumliche Struktur verzichtet.

Was für ein interessanter, wunderbarer und nachfühlbarer Kontrast zur Sultan Hassan Moschee! Und welch gelungene Symbiose zwischen Gebetsraum und Grabkammern, die den zentralen Gebetsraum umgeben.

Grabmal in der Raifai MoscheeRaifai MoscheeAndererseits reflektiert die Kombination zweier Stile beim Bau der Moschee schlichtweg eine allgemeine Entwicklung der Architektur und der Raumplanung in Kairo. Gerade unter Muhammad Ali und dem Khediven Ismail erreichte die Beliebtheit westlichen Designs ihren Höhepunkt.

Nicht selten wurde dabei auch den alten islamischen Bauten, wie der Sultan Hasan Moschee und damit auch der im Bau befindlichen Al-Rifai Moschee, mehr Raum geschaffen, in dem Versuch, sie aus dem umgebenden Stadtdickicht herauszulösen, und dem Betrachter in ihrer vollen Monumentalität zugänglich zu machen. Mit ihrem Mix aus traditionellen und europäischen Stilelementen und auch hinsichtlich der Beteiligung europäischer Experten läutete der Bau der Al-Rifai Moschee in Kairo eine architektonische Entwicklung ein, die sich in ihren Grundzügen bis heute fortsetzt.

Bliebe noch der vielsprachige Spruch, der beim Zugang zu den Grabkammern an mehreren Stellen in wohl allen arabischen Sprachen und auch in Englisch, leider nicht in Deutsch, an der Wand zu lesen ist:
Die Meinung Gottes (Oneless, der Einzige die Einheit): Es gibt keinen Gott außer Allah. Und Mohamed ist sein Prophet.“
Eine Glaubensaussage, mit der man sich beim Besuch in einem islamischen Land beschäftigen sollte.

Zur Deutung dieser islamischen Auffassung möchte ich Wikipedia zitieren:
„Der Koran behauptet, die Existenz einer einzigen und absoluten Wahrheit, dass die Welt transzendiert; eine einzigartige, unabhängige und unteilbaren Wesen, das ist die ganze Schöpfung unabhängig. Die Unteilbarkeit Gottes bedeutet die Unteilbarkeit der Souveränität Gottes, die in wiederum führt zu dem Konzept einer gerechten, moralischen und kohärenten Welt, um eine existenzielle und moralische Chaos gegenüber. Ebenso lehnt der Koran die Dualität von Gott dem Argument, dass beide gut und böse zu generieren von kreativen Akt Gottes und zu behaupten, dass die bösen Kräfte nicht die Macht, etwas zu schaffen haben. Die islamische Theologie lehnt die Lehre von der Dreieinigkeit, wo "der eine Gott in drei Personen existiert und eine Substanz, Vater, Sohn und Heiliger Geist", existiert ab."

Gott im Islam ist ein universeller Gott, viel mehr als ein lokaler, auf einen Stamm oder auf eine Gemeinde beschränkter Gott. Er ist die Absolutität, die alle positiven Werte integriert alles Böse eliminiert.
Dieter Tischendorf (ditido)

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